21.08.2019

DAS MUSS DER DOCH MERKEN

„So ein Hammel. Der muss doch merken, dass er mir immer wieder in die Quere kommt.“ Leider ist das Leben nicht so einfach. Während wir ganz klar sehen, was andere falsch machen, kommen die Betroffenen nicht selbst darauf. Wir brauchen also eine andere Lösung.

Die brutale Wahrheit ist: Menschen ändern sich nicht. Jedenfalls nicht, weil wir es wollen. Menschen ändern sich immer aus eigenem Antrieb. Und den können wir nur in den seltensten Fällen von aussen erzeugen. Der Kollege, der immer wieder falsch reagiert und uns damit zur Weissglut bringt, wird es also nicht lassen. Die Wunderheilung bleibt aus. Doch eigentlich – wenn wir ehrlich sind – würden wir uns genau das wünschen. Wenn „der das endlich merken würde“ wäre die Welt doch viel schöner. Das wäre unser persönlicher Plan A. Mit ein bisschen Lebenserfahrung wissen Sie aber: Plan A tritt nicht in Kraft.

Bleibt also Plan B und der heisst: Wir müssen uns selbst ändern, ein anderes Angebot für den nervenden Kollegen werden. Nur damit haben wir eine Chance auf Verbesserung. Unfair? Ja, vielleicht. Aber leider ist es die einzige realistische Chance. Und es wird noch komplizierter: Es gibt keine klare Regel, was wir verändern müssen, damit der Kollege besser reagiert. Menschen funktionieren nämlich leider nicht auf Knopfdruck, sondern sind komplex und unvorhersehbar.

Plan B heisst auch, sich selbst kritisch zu hinterfragen. Ich persönlich glaube ganz fest an die 50/50-Regel. An einem Konflikt sind immer beide schuld. Jeder trägt seinen Teil dazu bei – zum Beispiel durch Vorwürfe oder fehlende Abgrenzung, Unklarheit oder Kleinlichkeiten.

Was wir also tun können, ist, den anderen auf eine Weise anzusprechen, die anders ist als bisher, wohlwollender und mit mehr innerer Grösse. Statt Kritik zu äussern, können wir zum Beispiel Hilfe anbieten. Die Chance, dass aus so einem Gesprächsaufhänger ein konstruktiveres Gespräch wird, ist gross.

Wohlwollen zu zeigen heisst nicht, sich selbst zu verleugnen. Es erlaubt dem Gegenüber aber sich einzulassen und zu öffnen. Im Verlauf des Gesprächs können auch Sie Ihre Interessen platzieren. Lassen Sie dem anderen aber den Vortritt und lernen Sie erst einmal die andere Sichtweise kennen.

Manchmal bedeutet Plan B auch einfach mal ein Auge zuzudrücken. „Das muss der doch merken.“ Ja, könnte er. Aber wie schlimm ist es, wenn er es nicht tut? Vielleicht gibt es ja noch einen Weg. Oder vielleicht ist das ganze Thema vollkommen unwichtig und wir haben uns nur aus Gewohnheit aufgeregt.

Die Coaching-Legende Byron Katie erzählt in ihrem Hörbuch „Loving what is“, dass es früher ihre Religion gewesen sei, sich über die liegengebliebenen Socken ihrer Familie aufzuregen. Immer wieder versuchte sie alle zu erziehen, ihre Socken in den Wäschekorb zu bringen. Erfolglos! Irgendwann erkannte sie, dass es nur ihr eigenes Bedürfnis war, das sie befriedigen wollte. Sie hob die Socken fortan einfach auf, ohne sich darüber aufzuregen. Mit der Zeit gewöhnten sich auch die anderen Familienmitglieder daran, ihre Socken wegzuräumen. Zu diesem Zeitpunkt war ihr das zwar gar nicht mehr wichtig, aber sie freute sich natürlich trotzdem.

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Franziska Brandt-Biesler

Franziska Brandt-Biesler hat einen Weg gefunden, Verkaufen zielsicher und leicht zu machen: Zwei Menschen prüfen, ob es sinnvoll ist Geschäfte miteinander zu machen. Punkt!

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