Di
24
Apr
2012
Alle Jahre wieder führen Unternehmen und ganze Branchen die Diskussion wie man die Aufgabenstellung der Verkäufer definieren und nennen soll.
Sollen sie Berater sein? Und ist das dann zielorientiert genug? Macht man mit Beratung auch Umsatz?
Oder ist es besser, wenn sie offen zugeben Verkäufer zu sein? Vielleicht weckt das ja in den Köpfen der Kunden negative Emotionen?
Ich habe ab morgen ein Seminar bei einem neuen Kunden, der genau diese Diskussion intern immer wieder führt. In der Konzeptionsphase habe ich schon einige Verkäufer - ach nein, Entschuldigung - Fachberater - kennen gelernt. Viele davon haben mich schon vorgewarnt: Sagen Sie bloss nicht Verkäufer. Wir sind keine Verkäufer, sondern Berater.
Tja nun, was soll ich sagen? Diese Diskussion werden wir auch im Seminar führen müssen. Ich persönlich bin nämlich der Meinung, dass Beratung ohne das Ziel auch Verbindlichkeit und eine Zusage zu erreichen verlorene Zeit ist. Wenn Sie einen Kunden schon beraten und der Kunde interessiert bis überzeugt ist können und müssen Sie auch einen Schritt weitergehen. Die folgenden Fragen tun nicht weh, helfen dem Kunden aber weiter zu denken:
- Wie ist denn Ihr Zeitplan?
- Wie könnte die Umsetzung bei Ihnen konkret aussehen?
- Was müssten wir dabei noch berücksichtigen?
- Was glauben Sie, wie sieht das aus, wenn es läuft/fertig ist/Sie es nutzen?
Mit diesen einfachen Fragen laden Sie den Kunden ein sich die Umsetzung und das Ergebnis schon mal vorzustellen. Dann braucht er nur noch Ihre Unterstützung, um es auch zu tun:
- Was brauchen Sie von mir noch, damit Sie einen Schritt weiter kommen?
Und noch ein Tipp: Treffen Sie am Ende JEDES Gesprächs eine konkrete Vereinbarung wie es weiter geht. Bitte, bitte!!!
Und dann können Sie das, was Sie tun meinetwegen weiterhin Beratung nennen...
.... wenn Sie dann immer noch der Meinung sind, das Verkaufen etwas Schlimmes ist...
Di
27
Mär
2012
Kundendaten sauber zu pflegen bringt messbaren Verkaufserfolg. Davon bin ich schon ganz lange überzeugt.
Einer meiner Verkaufs-Coaching-Kunden hat diesen Tipp konsequent beherzigt und seine Kollegen im Erfolgsranking rechts überholt!!!
Doch fangen wir von vorn an: Mein Coachee, nennen wir ihn Stefan, verkauft Kaffee an die Gastronomie. Ein spannendes Feld, weil jeder Wirt immer nur einen Kaffee-Lieferanten hat. Verdrängungsmarkt vom Feinsten. In dem ländlichen Gebiet, in dem Stefan verkauft, zählen ausserdem langjährige Kontakte. Man bleibt seinem Kaffee-Aussendienst treu.
Die einzige Chance für den fleissigen Stefan war also den Markt zu scannen, die wechselbereiten Kunden sofort zu überzeugen und ansonsten auf Chancen zu warten. Zu diesem Zweck brachte ich ihm bei, seine Kundendaten systematisch zu pflegen, d.h. Umsatzpotenziale, Lieferanten und die Wechselbereitschaft regelmässig zu erfassen.
Schneller als gedacht, konnte Stefan diese Daten dann nutzen. Als nämlich der Aussendienstmitarbeiter eines Wettbewerbers wechselte, die langjährigen Kontakte also wegbrachen, nutzte er die Chance alle Kunden des Wettbewerbers abzuklappern. Da er dort vorher einen guten Eindruck hinterlassen hatte, konnte er eine Reihe dieser Kunden überzeugen, zu ihm zu wechseln.
Kurze Zeit später hatte ein anderer Wettbewerber plötzlich Lieferprobleme. Wieder eine Chance, die Stefan systematisch nutzte.
Über ein Jahr hinweg entwickelte mein Lieblings-Kaffee-Verkäufer sich auf diese Weise zum Verkaufs-Spitzenreiter mit sensationellen Umsatz-Zuwächsen.
Was lernen wir daraus? Bitte nachmachen und Kundendaten systematisch in einer Datenbank (Excel ist da sehr nützlich) pflegen. Datenpflege ist zwar lästig aber absolut erfolgsrelevant!
Do
08
Sep
2011
Seid mir nicht bös, aber manchmal habe ich den Eindruck, Verkäufer sind Großmeister im Erfinden von Ausreden. Die meisten Verkaufsleiter werden mir jetzt zustimmen.
Letzte Woche hatte ich wieder mal eine typische Außendienst-Mannschaft im Seminar. Erfahren, lebendig, motiviert. Aber nun sollten die "Jungs" einen heftigen Zuschlag bei den Kunden durchsetzen, der aber aufgrund einer Rohstoff-Preisexplosion unumgänglich ist. Na, was war da wohl los?
"Das geht nicht weil..." war der Standardsatz von mehr als der Hälfte des Teams. In solchen Situationen ist es manchmal gar nciht leicht für mich die Geduld zu behalten und immer wieder darauf hinzuarbeiten, dass wir nach Lösungen suchen, statt uns gegenseitig zu trösten weil die Welt so schlecht ist.
Aber um eine Lanze zu brechen: Nicht alle jammerten. Einige waren auch offen nach Ideen zu suchen und einer hatte sogar schon Erfahrungen und war der Meinung: "Geht"
Was haben wir also gemacht?
1. Ideen gesammelt: Alles, was schon funktioniert hat oder was denkbar war, haben wir aufgeschrieben. Diskussionen habe ich dabei aber strikt unterbunden.
2. Ausprobiert: zu dritt haben die Verkäufer im Mini-Rollenspielen versucht den Zuschlag zu erklären und durchzubringen. Die Maxime dabei war: Soviel wie möglich experimentieren und alle guten Ideen und Formulierungen aufschreiben.
3. Die Erkenntnisse aus den Gesprächsübungen zusammengetragen.
Auf diese Weise hatten wir am Schluss ungefähr 50 Ideen für Formulierungen, Argumente, Erkläfungsvarianten und ganz andere Strategien, um mit dem Thema umzugehen. Genial! Und plötzlich war allen klar: Es gibt noch zig Sachen, die man ausprobieren kann.
Mal ehrlich: Ist ja schön, dass mich meine Kunden dafür bezahlen, aber eigentlich könnte man so einen Erfahrungsaustausch auch selber im Verkaufsmeeting durchführen oder? Aber mir ist natürlich lieber, wenn ihr mich bucht :-)!
Di
17
Mai
2011
"Herr Kunde, mein Ziel ist heute, Sie von unserer Dienstleistung X zu überzeugen."
"Ich möchte mit Ihnen heute über Produkt X sprechen und Sie für eine Testphase gewinnen."
So deutlich sagen leider die wenigsten Verkäufer Ihren Kunden, was sie im folgenden Gespräch erreichen wollen. Tatsächlich braucht eine so direkte Ansprache auch ein bisschen Mut.
Doch dieser Mut lohnt sich. Ein Kunde, der von vornherein weiß, wo Sie ihn gerne hin haben wollen, arbeitet viel besser mit: Er prüft nämlich das gesamte Verkaufsgespräch, jede Frage, jede Information und jedes Argument gleich darauf ab, ob es für ihn im Hinblick auf das Ziel überzeugend und sinnvoll ist. Das erspart langes "Herumeiern". Die Chance, dass Ihr Kunde am Ende des Gesprächs eine Entscheidung - positiv oder negativ - trifft und Sie damit einen deutlichen Schritt weiter sind, potenziert sich.
Warum machen es dann so weinige Verkäufer? Ganz klar: So eine eindeutige Zielnennung bedeutet natürlich auch eine Verpflichtung. Wenn Sie dem Kunden gesagt haben, wo sie mit ihm hinwollen, ist das entspannte Geplänkel vorbei. Dann müssen Sie auch systematisch auf Ihr Ziel hinarbeiten. Denn beim Kunden wecken Sie damit definitiv eine Erwartungshaltung à la: "Na, dann mach mal!"
Also ran an den Speck: Überlegen Sie vor dem nächsten Gespräch, was ihr Ziel ist und wie sie es dem Kunden gegenüber benennen wollen. Sie werden sehen, auch für Sie wird das Gespräch einfacher und... na klar, auch im wahrsten Sinne des Wortes "zielführender".
Fr
06
Mai
2011
Ich bin in mein neues Büro in Luzern gezogen, Hurra! Das erste mal in meinem Leben habe ich ein Firmenschild (das 3. von oben). Nachdem meine Firma schon 11 Jahre besteht, wirds ja Zeit :-).
Es dauert nun noch 2 Wochen, bis ich wieder dazu komme meinen Blog zu pflegen. Bitte Geduld! Aber dann bringe ich wieder spannende und aktuelle Themen aus meinen Verkaufstrainings mit.
In der nächsten Woche werde ich übrigens erstmals gemeinsam mit einem Seminarschauspieler Verkaufstrainings durchführen. Ich verspreche mir davon einen großen Lern-Effekt für meine Teilnehmer. 25 Jahre lang gibt es das Seminarkonzept mit den Seminarschauspielern schon und es bringt offenbar jedes Mal einen riesigen Lernschub: www.seminarschauspieler.de
Sa
16
Apr
2011
Dass hier im Moment nicht viel los ist hat einen Grund: ich bin neben meiner normalen Arbeit noch mit dem Umzug meines Büro beschäftigt.
Ab Ostern 2011 habe ich dann wunderschöne Räume direkt in der Luzerner Altstadt. Für Kenner: genau am Ende der Spreuerbrücke, neben dem Mühlenplatz mit Blick auf den Pilatus und die Reuss. Grandios!
ich freue mich sehr, in Zukunft dort zu arbeiten, Kunden zu empfangen und Coachiings durchzuführen. Für meine Seminare reise ich natürlich weiterhin dahin, wo meine Kunden mich brauchen.
Um das zu erreichen muss ich aber erst noch Kisten schleppen und dann wieder auspacken, IT installieren (lassen) und alles wiederfinden, was ich gerade so kunstvoll eingepackt habe. Ich bin froh, wenn das hinter mir liegt und ich wieder regelmäßiger dazu komme Blog-Beiträge zu schreiben.
Aber natürich bin ich auch auch in dieser Zeit für Sie da, wenn etwas ist. Haben Sie keine Hemmungen mich anzurufen. Am besten geht das im Moment über mein Handy: +41 79 2544027.
Di
08
Mär
2011
Im Verkaufstraining arbeite ich immer mit Praxisfällen meiner Teilnehmer. Deshalb bekomme ich viele konkrete Einblicke in deren Verkaufssituationen. Dabei stosse ich immer wieder auf die folgende Frage:
"Soll ich den Kunden überhaupt noch besuchen/anrufen?" und wenn ich dann nachfrage: "Hat er schon 'Nein!' gesagt?" kommt meist die Antwort: "Nein, hat er nicht, aber es geht nicht vorwärts."
Also hier meine Grundsätzliche Antwort: Unter der Vorausgesetung. dass der Kunde Potenzial hat, empfehle ich Ihnen immer, dran zu bleiben und alle (finanziell sinnvollen) Verkaufschancen zu checken bis er Ihnen ein klares "Nein" gibt.
Solange der Kunde unentschlossen ist oder aus anderen Gründen noch nicht entscheiden kann ist das Spiel noch nicht gespielt. Also: Weitermachen! Der Kunde ist der Einzige, der durch seine klare Absage signallisiert: "Hier ist Schluss!". (Für die Schweiz müssen Sie dieses "klare Nein" natürlich übersetzen, hier wird man in der Regel eine weichere Form der Absage finden).
Und dann ist ja meistens auch nur für eine bestimmte Zeit Schluss. Sobald der nächste Bedarf des Kunden auftaucht sind Sie wieder im Spiel.
Ein Kollege von mir hat sogar mal gesagt: "Wenn du noch nie bei einem Kunden rausgeflogen bist, bist du kein guter Verkäufer. Denn nur, wenn du die Grenze mal überschritten hast, weisst du, wo sie liegen." Ich finde, da ist was dran. Viele Verkäufer kommen nach meiner Erfahrung noch nicht mal in die Nähe dieser Grenze und geben viel zu früh auf.
Also Mut! Ran an den Speck!
Fr
04
Mär
2011
Im Moment bin ich voll in Action. Ein Seminar jagt das andere und in meinem Posteingang stapelt sich Mails die beginnen mit: "Denkst du bitte an...", "Du wolltest mir doch...", "Hast du... vergessen?". Neeeein habe ich alles nicht und das in meinem Blog schon lagen Funkstille herrscht tut mir auch unendlich leid. Aber ich habe eben noch nicht rausgefunden, wie ich mich in mehrere autark arbeitsfähige Teile aufsplitten kann.
Doch nun will ich wenigstens mal diese Info loswerden: Am 18. März werde ich beim Unternehmerinnenforum Niederrhein einen Vortrag über Preisverhandlungen halten. Mehr als 150 Unternehmerinnen erfahren dort, wie Sie "Spielen und Gewinnen - Preisverhandlungen mit Profit und Spaß" führen können. Vorher gibt es einen Pressetermin, indem sich alles nur um mich und mein Thema dreht. Super Sache!
Und demnächst läuft auch hier wieder mehr Action, versprochen. Ich bringe aus meinen aktuellen Seminaren viele spannende Themen mit.
Mo
25
Okt
2010
Bleiben wir bei meinem Beispiel aus dem vorletzten Blog-Beitrag: Ich mache nicht gerne telefonische Kaltakquise. Ich befürchte Ablehnung.
Dennoch ist es wichtig, dass ich neue Kunden gewinne und vor allem auch, dass ich als Verkaufstrainerin regelmäßig Neukundengespräche führe. Das macht mich bei meinen Teilnehmern glaubwürdig.
Meistens funktioniert ja die Lagerfeld-Methode (nicht lang diskutieren, einfach machen!). Doch manchmal will "es" in mir einfach nicht. Die Vorstellung, was der böse Kunde alles Gemeines machen kann wird in meinem Kopf übermächtig. Dann hilft es, mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen und das Risiko der Aktion realistisch abzuschätzen. Was kann tatsächlich passieren?
- Der Kunde kann keinen Bedarf haben - (dann kann ich ihm aber meinen Newsletter anbieten und anbieten wieder mal anzurufen) - in dem Fall bin ich schon einen Schritt weiter als vorher. Erfahrungsgemäss entsteht aus solchen Kontakten später oft ein Auftrag.
- Der Kunde kann genervt sein, wir bekommen keinen Draht zueinander und das Telefonat ist schnell zuende - dann hab ich nichts verloren, denn vorher haben wir auch keine Geschäfte miteinander gemacht. Mein Trainerkollege Dirk Kreuter sagt dazu: "Nicht gekauft hat er schon".
Was schlimmeres passiert nicht!
- Es gibt aber auch die Chance, dass der Kunde interessiert ist und wir in Kontakt kommen - dann macht Kaltakquise plötzlich Spaß, ich bin die Heldin und gut für's Geschäft ist es - ganz nebenbei - auch noch.
Zusätzlich hilft es mir noch Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen: In 10% der Fälle stoße ich auf Interesse, in 80-85% der Fälle kann ich wenigstens einen späteren Kontakt vereinbaren und meinen Newsletter anbieten. Ergo: Nur jedes 10.-20. Telefonat ist mehr oder weniger unerfreulich. Das weiss ich so genau, weil ich mitgezählt habe. Alternativ können Sie auch jemanden fragen, der das, wovor Sie Angst haben, schon mal gemacht hat.
Ein Tipp noch zu dieser Methode: Das Abschätzen der Wahrscheinlichkeiten ist ganz wichtig weil sehr ängstliche Menschen dazu neigen die Risiken überzubewerten. Also bitte hinterfragen Sie sich immer: "Wie hoch ist realistisch die Wahrscheinlichkeit, dass die unterschiedlichen Möglichkeiten eintreffen?"
Ganz wichtig ist es übrigens noch zu fragen: "Was passiert, wenn ich nichts tue?" Der Preis des Nicht-Handels ist nämlich ganz oft höher, als der des Handelns.
Do
14
Okt
2010
Di
12
Okt
2010
Sie müssen ja nicht glauben, dass Menschen, die selbstbewusst und mutig scheinen, es auch immer sind. Sie haben nur andere Methoden mit ihrer Angst und Unsicherheit umzugehen. Drei Mut-Methoden stelle ich Ihnen in diesem und den nächsten zwei Blogbeiträgen vor:
1. Die Lagerfeld-Methode:
Nachdem Karl Lagerfeld vor ein paar Jahren so viel abgenommen hatte, fragte ihn ein Journalist, wie er sein Gewicht halten könne, wo er doch ständig leckere Buffets vor der Nase habe. Lagerfeld antwortete in seiner unnachahmlichen Art: "Ich diskutiere einfach nicht mit mir." Diesen Satz fand ich so grandios, dass ich ihn mir zueigen gemacht habe, wenn immer ich mich selbst blockiere.
Ich nutze ihn zum Beispiel in Situationen, vor denen ich Angst habe. Beispielsweise graust es mich immer wieder Kaltakquise zu machen (das ist ein Geständnis von einer Verkaufstrainerin, oder?). Und das obwohl ich wirklich gut darin bin.
Wenn ich mir vorgenommen habe mal wieder ein paar Neukontakte zu machen, geht sofort der innere Dialog los:
"Los ruf an!"
"Nein, noch nicht jetzt, ich muss erst noch meinen Schreibtisch aufräumen."
"Alles Quatsch, drück dich nicht. Du bist Verkaufstrainerin, du musst das gerne machen wollen."
"Blödsinn, ich hasse das und deshalb will ich erst noch..."
Sobald ich merke, dass ich in wildem Palaver mit mir bin, aktiviere ich meinen inneren "Lagerfeld", stoppe die Diskussion und befehle meiner Hand den Hörer in die Hand zu nehmen. Das funktioniert (meistens)!
Und nach dem ersten Telefonat ist der Bann dann gebrochen und ich führe meist noch ganz viele Telefonate. Und natürlich bin ich hinterher stolz wie Oskar,....äh, Karl!
Mi
06
Okt
2010
Nun mal eine erfreuliche Geschichte:
Vorgestern war ich bei meinem Drucker und habe die Karten für meine Jubiläums-Spendenaktion abgeholt. Der Arme hatte ganz schön Arbeit mit mir. Meine Druckdaten waren etwas laienhaft und das machte es ihm schwierig meine Karte in guter Qualität zu drucken.
Und, das muss ich ihm lassen, er hat sich echt ins Zeug gelegt und ist extra noch zu einem Kollegen gefahren, um diesen um Rat zu bitten, camit er aus meiner merkwürdigen Vorlage das Beste herausholen konnte. Wow.
Als ich nun meine Karten abholte, erzählte er mir, was er alles getan hat, um zu dem guten Ergebnis zu kommen. Während er so berichtete dachte ich: oh oh, das wird teuer. Und weil ich ja meinen Mund nicht halten kann sagte ich: "Erzählst du mir das jetzt, um mich darauf vorzubereiten, dass die Rechnung doppelt so hoch wird?" Da schaute er mich ganz entgeistert an und sagte: "Nein, wieso? Wir haben doch einen Preis abgemacht."
Das ist toll: Maximaler Einsatz für die Qualität und trotzdem einen fairen Preis anbieten und halten. Das habe ich schon häufig anders kennen gelernt. Doch für Carlo wird es sich sicher auszahlen. Da gehe ich doch gerne wieder hin und lasse das nächste Mal auch meine Visitenkarten, Flyer und was ich sonst noch brauche bei ihm drucken. Und natürlich werde ich vielen von diesem positiven Erlebnis erzählen. Danke für so einen Serviceanspruch.
Di
05
Okt
2010
Ich hab heute morgen mal wieder die Krise bekommen, als ich mit einer Autowerkstatt telefoniert habe. Gut das ich meinen Blog habe :-).
Mein ziemlich neues Auto (1 Jahr, 30.000 km) war bei seinem ersten Service. Der Einfachheit halber habe ich eine kleine Audi-Werkstatt in Laufentfernung in Rüediswil ausprobiert. Gestern kam dann die Rechnung für den Service. Ein Kostenpunkt darauf: Eine Motorwäsche - Häh? Bei einem so neuen Auto?
Später gestern fuhr ich noch zu einem Termin, da ging die Reifen-Warnleuchte an. Da ich zufällig gerade an einer VW-Werkstatt vorbeifuhr, bog ich gleich ab. Der freundliche Werkstattchef bot mir an schnell den Reifendruck zu prüfen und war entsetzt: 2 der Reifen hatten einen Reifendruck von 3,5 bar. Die anderen beiden hatten auch zuviel Luft.
Heute morgen rief ich also an, um beide Punkte anzusprechen. Kommentar zur Motorwäsche: Der Motor sei ja doch sehr staubig (!) und damit ich mir die Hände beim Prüfen des Ölstands nicht schmutzig mache hätten sie eine Motorwäsche (für 45 SFR) gemacht. Ist klar!
Mein wohlgemeinter Hinweis mit den Reifen wurde abgeschmettert mit meinem Lieblings-Satz: "Das kann nicht sein." Der Werkstattbesitzer versuchte mir noch umständlich zu erklären, warum das nicht sein kann.... Das bedeutet ja wohl, dass sowohl die Warn-Anzeige in meinem Auto als auch ich selbst lügen... Ich habe der Erklärung nicht mehr wirklich zugehört (Grumpf).
Ach das Leben könnte so schön sein, wenn Dienstleister aufhören würden mit ihren Kunden Wer-hat-Recht-Diskussionen zu führen. Ich habe jedenfalls genug und werde das nächste Mal den weiteren Weg zu meinem ursprünglichen Autohändler auf mich nehmen. Die haben mir noch nie so einen Mist erzählt.
Morgen erzähle ich dann von meinem Drucker. Das ist dann aber eine erfreuliche Geschichte.
Di
21
Sep
2010
Mein Eindruck ist: Smalltalk kommt immer mehr aus der Mode. Gerade, wenn ein Erstgespräch mit einem neuen Kunden ansteht, geht es häufig schnell zum Thema.
Ich finde das gut!
Ein Smalltalk mit einem Unbekannten ist sowieso häufig etwas hölzern, es sei denn, Sie haben bereits vorher per Mail oder Telefon soviel Kontakt gehabt, dass sich ein Thema anbietet. Pseudo-Smalltalks über Anreise, Parkplatz oder Wetter dagegen wirken manchmal gestellt und nach "Verkaufstrainingsabsolvent".
Deshalb empfehle ich Ihnen:
- Führen Sie nur dann einen Smalltalk, wenn Sie wirklich ein Thema haben, dass den Kunden und Sie wirklich interessiert. Das können zum Beispiel Branchen-Themen sein. Was auch noch funktionieren kann sind Nachfragen nach etwas, wirklich Besonderem, wie einem speziellen Firmengebäude oder einer außergewöhnlichen Firmenhistorie.
Vielleicht helfen Ihnen auch die folgenden Tipps:
- Generell empfehle ich Ihnen mehr Fragen zu stellen, als selbst zu reden. Zeigen Sie echtes Interesse!
- Wenn Sie selbst nicht wirklich interessiert sind, lassen Sie den Smalltalk weg.
- Bei Gesprächspartnern, die dominant und ungeduldig wirken können Sie ruhig direkt zur Sache kommen.
- Vertrauen Sie Ihrem Gefühl: Ansprechpartner, die distanziert wirken, fühlen sich in der Regel mit persönlichen Themen nicht wohl. Gespräche über Firma, Branche und Markt sind aber in der Regel ok.
- Wenn ihr Gesprächspartner nicht auf Ihr Thema anspringt, reagieren Sie sofort und gehen Sie zum eigentlichen Gesprächsthema über.
Wenn Sie und Ihr Gesprächspartner sich im Laufe des Gesprächs sympathisch werden, ergeben sich oft ganz selbstverständlich Themen. Diese Gelegenheit können und sollten Sie immer nutzen, um etwas für die gute Beziehung zu tun. Ein Smalltalk nach erfolgreichem Gespräch ist manchmal sinnvoller als vorher. Aber auch hier gilt natürlich: Echtes Interesse zeigen!
Di
07
Sep
2010
In meinem letzten Seminar, wurde mir mal wieder klar, dass zu viele Gespräche geführt werden, in denen eigentlich nichts Neues passiert. Kunden werden besucht, um die Besuchsquote zu erfüllen, es dem Chef recht zu machen oder sich mal wieder in Erinnerung zu bringen.
Ich finde das ist Zeitverschwendung für Verkäufer und Kunde. Und das ist nicht der einzige Grund solche Besuche in Zukunft zu unterlassen:
- Jeder Besuch kostet Ihr Unternehmen mindestens 150 € (Vollkostenbetrachtung).
- Sie könnten in der Zeit einen Kunden besuchen, der akuten Bedarf hat.
- Der Kunde schenkt Ihnen nicht mehrmals seine Zeit, ohne dass für ihn etwas Nützliches passiert.
Setzen Sie sich also in Zukunft das Ziel bei jedem Besuch einen Schritt weiter zu kommen. Überlegen Sie sich auch, was das für ein Schritt sein könnte und wie sie ihn erreichen wollen.
Überlegen Sie au0erdem jedes Mal, welchen Nutzen Ihr Besuch für den Kunden hat. Gegebenenfalls lassen Sie sich etwas einfallen: laden Sie Ihren Kunden zu einer Veranstaltung ein, informieren Sie ihn über eine Möglichkeit Geld zu sparen oder bringen Sie ihm einen interessanten Zeitungsartikel mit.
Und wenn Sie bei dieser Überlegung merken, dass Ihr Termin sinnlos ist, sagen sie ihn lieber ab, bis Sie eine bessere Idee haben.
Wenn Sie dennoch das Ziel haben, einen Kunden mehrmals zu besuchen, um sich bei ihm bekannt zu machen, ist es sinnvoll gleich mehrere Besuche im Voraus zu planen:
- Beim ersten Besuch stellen Sie sich und Ihre Dienstleistungen vor und finden möglichst viel über das Potenzial des Kunden heraus.
- Für den zweiten Besuch bereiten Sie eine Musterrechnung vor, die das Einsparungspotenzial des Kunden zeigt.
- Beim dritten Besuch stellen Sie eine Zusatzleistung, Aktion oder ein Bonus-Modell vor.
Wenn Sie nicht ihr gesamtes Pulver auf einmal verschiessen, haben Sie immer einen guten Aufhänger, um sich mal wieder (nützlich) in Erinnerung zu bringen.
Di
31
Aug
2010
Manchmal komme ich als Verkäuferin nicht direkt zum Ziel. Dann muss ich eine Umleitung nehmen. Wo es lang geht signalisiert mir mein Kunde meistens durch seine Einwandbegründung.
Beispiel: Heute rief mich eine Kundin an und erkundigte sich nach einem bestimmten Seminar, das ich bei einem meiner Partner durchführen sollte. Sie wollte eine Mitarbeiterin dort hin schicken. Leider fällt der Termin aus, also keine Chance.
Ich bot ihr also als Alternative den nächsten Seminartermin. Doch da signalisierte sie gleich, dass ihr Chef wohl streiken würde wegen der langen Fahrt. Mehrfach erwähnte Sie, dass eine lange Anreise ein Problem sein würde.
Nicht für mich, denn ich konnte die optimale Alternative anbieten: Gar keine Anreise! ich bot ein Online-Training an: Individuell, vom Schreibtisch aus zu "besuchen" und noch dazu in kleinen Einheiten, so dass die neue Kollegin nicht mit einem großen "Berg" von Neuem auf einmal fertig werden muss.
Bingo! Meine Kundin war begeistert.
Was bedeutet das für Sie nichts Neues außer:
1. Zuhören! Gegebenenfalls nachfragen "Die lange Anreise scheint ein Problem zu sein...?"
2. Absichern: "Wenn ich einen Vorschlag hätte, wo Ihre Kollegin nicht anreisen muss, käme ein Seminar dann in Frage?"
3. Anbieten einer Lösung, die das Problem des Kunden berücksichtigt.
Und wenn Sie kein passendes Angebot haben und das Kriterium wirklich entscheidend ist, empfehle ich Ihnen: Geben Sie zu, dass Sie im Moment keinen sinnvollen Vorschlag machen können. Versuchen Sie auf keinen Fall die Kundin oder den Kunden zu überzeugen, dass sein Problem doch nicht so schlimm ist. Denn damit könnten Sie sich die Tür selbst und für immer zuschlagen.
Do
19
Aug
2010
Vorgestern hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Außendienst-Verkäufer. Er präsentierte seine Erkenntnisse über einen großen und sehr wichtigen Kunden. Unter anderem ging es – wie so oft – auch um einen Wettbewerber, mit dem der Kunde Geschäfte macht:
Verkäufer: „ Ich mach mir da keine Sorgen. Das (Wettbewerbs-)Unternehmen ist im Moment ein unsicherer Partner. Ich habe da so Gerüchte gehört, dass es denen finanziell nicht gut geht.“
Ich: „Hat das der Kunde gesagt?“
Verkäufer: „Nein, das ist meine Wahrnehmung.“
Ich: „Und wie sieht der Kunde das?“
Verkäufer: „Ich nehme an, genauso.“
Ich: „Haben sie ihn gefragt?“
Verkäufer: „Nein, nicht so direkt.“ (Anmerkung des Übersetzers: das bedeutet: Nein, habe ich nicht.)
Liebe Verkäufer, sollten Sie sich jetzt ertappt fühlen: Keine Sorge, Sie sind nicht allein. Aber Besserung ist in Sicht. Nächstes Mal fragen Sie einfach nach. Und da Kunden häufig nicht freiwillig schlecht über ihre bisherigen Lieferanten reden, gebe ich Ihnen hier einige Tipps, wie sie doch etwas rausfinden können:
1. Variante: Geschichte erzählen: „Ein Kunde von uns hat mir erzählt, dass das Unternehmen XY im Moment finanziell nicht gut dasteht weil…. Wie sehen Sie das?“
Die Geschichte sollte zumindest halbwegs wahr sein. Lassen Sie sie eher wie ein informelles Gespräch über die Branche klingen. Am besten bauen Sie so eine unauffällige Nachfrage in einer Smalltalk-Phase ein.
2. Variante: Wage Formulierung: „Angenommen, es gäbe etwas, das Sie bei Ihrem bisherigen Partner ändern könnten, was wäre das?“
Die wage Formulierung nimmt vielen Kunden die Angst, etwas zu sagen. Sie sagen ja schließlich nicht ausdrücklich, dass es etwas Schlechtes beim Wettbewerber gibt. Diese Methode funktioniert nicht immer, ist aber absolut ungefährlich. Probieren Sie es einfach aus.
3. Variante: Zum Schutz des Kunden: „Falls wir zusammen arbeiten würden: gibt es aus der Vergangenheit irgendeine schlechte Erfahrung, die wir auf jeden Fall umgehen müssen?“
Wenn der Kunde jetzt etwas sagt, können Sie nachfragen: „War das mit Ihrem jetzigen Lieferanten?“
Was garantiert nicht funktioniert sind direkte Fragen wie: „Was gefällt Ihnen nicht an Ihrem jetzigen Lieferanten?“ oder „Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem jetzigen Lieferanten?“
Probieren Sie die drei Formulierungsvorschläge mal aus. Sie werden überrascht sein.
Mo
02
Aug
2010
Und wieder ging ein Verkaufsgespräch zu Ende und weder Kunde noch Verkäufer wussten, was nun eigentlich als nächstes passiert (so beobachtet in der letzten Woche, als ich einen Pharma-Außendienst
begleitete).
Der Verkäufer hatte ein gutes Erstgespräch geführt und dem Kunden ein neues Präparat präsentiert. Der Arzt machte einen sehr interessierten Eindruck und stellte viele Fragen, um für sich
herauszufinden, wie er den Wirkstoff einsetzen könnte. In seinem Kopf entstand offenbar schon ein Bild…
Abschluss-Signale ohne Ende. Doch der Verkäufer schlug leider keinen einzigen Pflock ein, fragte nicht nach einer Verschreibung, machte keine Vorschläge über mögliche nächste Schritte.
Schade!
Nach dem Gespräch fragte mich der Außendienst-Mitarbeiter (halbwegs verzweifelt) wie er nun zu einem zweiten Gespräch bei dem Kunden kommen solle. Diese Situation kenne ich leider aus ganz vielen
Branchen. Sie ist absolut übertragbar.
Liebe Außendienstler, das wünsche ich mir von euch:
- zitiert und hinterfragt, was der Kunde euch sagt: „Sie sagten gerade, dass Sie solche Fälle schon hatten. Wie sah das denn genau aus? Welchen Verlauf können
Sie sich in Zukunft mit dem Präparat XY vorstellen? Haben Sie gerade so einen Patienten?“ u.s.w. (Fragen bitte nach Bedarf umbauen)
- Fragt nach einem konkreten Verbleib: „Wie wollen wir denn weiter vorgehen? Welche nächsten Schritte sind aus Ihrer Sicht sinnvoll?“
- Oder macht selbst Vorschläge: „Was halten Sie davon, wenn wir uns in ein paar Wochen noch mal zusammen setzen und besprechen, was Sie für Erfahrungen
gemacht haben. Wann ist ein nächster Termin sinnvoll.“
- schafft Gelegenheiten: Plant nicht nur einen Termin, sondern schon den nächsten oder übernächsten mit. Hebt euch eine interessante Information auf, die ihr
dem Kunden anbieten könnt. Das gilt auf jeden Fall im Pharmabereich, wo mehrere Besuche notwendig sind. Aber auch dann, wenn ihr einen Kunden erst einmal nur informieren und den Kontakt halten
wollt weil kein aktueller Bedarf besteht.
Und die goldene Regel für jedes Gespräch lautet: Nie beim Kunden rausgehen, ohne konkrete Vereinbarung. Es muss immer für beide klar sein, was als nächstes passiert.
Fr
23
Jul
2010
Gerade habe ich eine Mail von einem Studenten (Daniel) bekommen, der seine Kasse in den Semesterferien aufbessern. Er verkauft Quad-Touren an einer Strandpromenade auf Mallorca. Daniel bittet mich um ein paar Tipps, mit denen er seine Verkaufserfolge steigern kann.
Warum nicht? Verkaufen ist verkaufen ist verkaufen…
Lieber Daniel,
hier meine Ideen:
- Lust und Neugier auf nette Leute haben
- Miteinander ein paar gute Minuten auf der Strandpromenade erleben und lachen
- Voll hinter deinem Produkt stehen – wenn du voll auf Quad-Touren stehst, bringst du
das auch rüber.
Das mit dem Verkaufen kommt fast automatisch hinterher. Da mach dir mal keine Gedanken.
- Wie lange seid ihr schon hier?
- Was habt ihr schon gemacht?
- Was plant ihr noch?
Noch ein paar generelle Tipps:
So, lieber Daniel. Nun leg los und verkaufe was das Zeug hält. Ich freue mich, wenn du hier mal berichtest, wie es klappt.
Fr
23
Jul
2010
Die neue Kollektion ist da, die ersten Präsentationen bei Händlern sind gelaufen und das Fazit steht fest: Das kann man nicht verkaufen.
Ok, da kann man wohl nichts machen. Setzen wir eben eine Saison aus und verkaufen nichts!
Nein, so einfach geht es ja nicht. Und bei längerer Betrachtung stellt sich raus: Genau das Teil, das der Verkäufer eben noch als grotesk unverkäuflich deklariert hat, ist bei einem Kunden echt
gut angekommen. Ach geht ja. Und der Kollege verkauft genau diesen Artikel sogar extrem gut. Also doch verkäuflich?
Also, liebe Verkäufer, statt zu meckern macht euch doch bitte folgendes klar:
- Eure Produktmanager haben ein Bilder von Kunden, Styles oder Trends im Kopf gehabt, als sie diese Kollektion entwarfen. Fragt sie doch einfach mal danach!
- Die Kollektion muss nicht euch gefallen, sondern euren Kunden oder den Kunden eurer Kunden.
- Vielleicht passt ein Teil nicht jedem Kunden, aber wenn es grundsätzlich gut ist, kann ich damit vielleicht mal eine andere Zielgruppe oder Positionierung ansprechen. Manche Marke hat sich aus
solchen vermeidlichen Fehlpositionierungen entwickelt. Und wenn der Artikel nun mal da ist, lasst uns doch sehen, wo wo wir den Kunden finden, für den das passt.
- Garantiert ist nicht die gesamte Kollektion verkehrt. Vielleicht sind da tatsächlich einzelne Artikel, die nicht gehen. So what. Es gibt aber sicher noch genug anderes, das gut verkaufbar ist.
Und aus dem Rest kann eurer Produktmanagement lernen.
- Und: Viele Verkäufer haben zu Beginn einer neuen Saison das Gefühl, die Kollektion passte nicht. Oft liegt es aber nur am Umgang mit dem Neuen und Unbekannten. Tauscht euch möglichst bald mit
euren Kollegen aus, wie diese die Produkte argumentieren und präsentieren. Die Erfahrung zeigt: Wenn man eine Kollektion besser kennt, ist sie meistens nicht mehr so schlecht.
Hey, Verkaufen ist deshalb spannend, weil eben nicht immer alles perfekt ist. Sonst würde es ja keine guten Verkäufer brauchen. In diesem Sinne: Viel Erfolg und gute Abschlüsse!
Fr
23
Jul
2010
Ich habe vor einer ganzen Weile mal über Xing Einkäufer gefragt, was Ihnen bei Verkäufern wichtig ist. Ein Thema kam besonders häufig vor: Einkäufer wünschen sich Verkäufer, die Rückgrat haben (genaugenommen wünschten sie sich einen A… in der Hose). Sie wollten ein klares „Nein“ hören, wenn etwas nicht geht. Im Gegenzug erwarteten sie nämlich, dass der Verkäufer sich auch für ihre Bedürfnisse klar einsetzt.
Fand ich cool. Aus meiner Erfahrung aber zwei Tipps, wie das mit dem „Nein“ sozialverträglich geht:
Im ersten Anlauf sagte sie „Nein!!!“, fühlte sich dabei aber nicht wohl. Der Kunde war vor den Kopf gestossen und wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Außerdem spürte er die unklare innere Haltung der Verkäuferin. Er fing also eine Endlos-Diskussion an, um sie doch noch umzustimmen.
Beim zweiten Händler nahm sie eine andere Haltung ein: Sie blieb in ihrer sachlichen Haltung klar und eindeutig, signalisierte dem Händler aber menschliches Verständnis: „Es tut mir leid, dass ich gar nichts machen kann. Persönlich würde ich Ihnen gerne helfen aber ich habe keine Möglichkeit dazu. Ich weiß, dass das unbefriedigend für Sie ist.“ Dieser Händler reagierte total anders. Ihm war durch die Offenheit und Freundlichkeit der Wind aus den Segeln genommen. Er gab sich schnell geschlagen und akzeptierte die Situation. Die Verkäuferin verfolgte diese Strategie weiter und kam immer wieder zu ähnlichen Ergebnissen.
Ich hatte gestern eine Preisverhandlung am Telefon. Ich habe beide „Nein“-Varianten eingesetzt: „Nein, aber…“ und „Ich kann verstehen…“ Die Stimmung blieb im gesamten Gespräch gut, obwohl ich nur in einem Mini-Punkt nachgegeben habe. Das Ergebnis ist allerdings noch offen. We will see. Ich halte Sie auf dem Laufenden.
Fr
23
Jul
2010
Klar: Hartnäckigkeit ist wichtig im Verkauf.
Und auch klar: „Nein“ heisst meistens nicht nur „Nein“, sondern:
„nicht zu diesem Zeitpunkt…. aber später vielleicht.“ oder
„nicht mit dieser Lösung… aber anders vielleicht.“ oder auch
„nicht mit Ihnen… aber mit jemand anderem vielleicht.“
Ich komme darauf, weil gestern ein wirklich netter Mann von einem Schweizer Buchclub bei mir anrief und mich in ein Gespräch verwickeln wollte: Ob ich gerne lese (Ja, ich bin eine absolute
Leseratte, ich lese quasi IMMER), was ich gerne lese etc… Gut und schön, aber erstens hatte ich gerade keine Zeit und zweitens will ich nicht Mitglied in einem Buchclub werden und dafür habe ich
gute Gründe: Ich lese zwar viel aber ich kaufe kaum Bücher, weil das bei meinem Lesetempo echt teuer wird. Darum leihe ich in der Bibliothek, tausche mit Freunden und bin auf einer
Buch-Tausch-Plattform im Internet (übrigens: www.exsila.ch ist echt zu empfehlen!).
Doch er liess nicht von mir ab. Die Bücher seien doch 30 % günstiger und sie hätten so viel Auswahl und…und…und…
Also musste ich leider deutlich werden. Aber ich hasse das. Ich hasse es, wenn ich mich irgendwann gezwungen fühle unhöflich und sehr deutlich zu werden weil mich sonst keiner versteht. Ich will
nicht unhöflich sein, weil ICH mich dann schlecht fühle und das obwohl ich gar nicht um diesen Anruf gebeten habe… L.
Deshalb: Bitte liebe Verkäufer überhäuft Kunden nicht mit Argumenten wenn sie einmal „Nein“ gesagt haben, sondern fragt, um rauszufinden, ob sie „Nein!!!“ meinen oder „Nein, aber vielleicht…“.
Und was sind das für Fragen? Na, zum Beispiel:
„Was ist denn der Grund, dass Sie das nicht möchten?“
„Welche Bedenken haben Sie?“
„Angenommen, ich könnte Ihnen zeigen, dass das Problem lösbar ist, käme es dann in Frage?“
„Welche Erfahrungen haben Sie damit schon gemacht?“
Je nach Zeitbudget des Kunden reicht eine dieser Frage. Wenn der Kunde aber mehr Zeit hat (in einem persönlichen Termin) können Sie auch versuchen, genauer herauszufinden was er oder sie meint.
Ach wäre das schön gewesen, wenn der nette Verkäufer des Buchclubs mich einfach gefragt hätte…. Ich glaube wir hätten uns beide hinterher besser fühlen können.
Fr
23
Jul
2010
Letzte Woche habe ich meine Webinarreihe „Neukundenakquise – Kunden gewinnen von Anfang an pfiffig“ beendet: 4 Module à 90 Minuten über rund 4 Wochen verteilt. Themen: Telefonakquise, Zielgruppen
passend und knackig ansprechen mit interessanten Elevator-Pitches, Networking, Social Media Marketing, Empfehlungsmarketing etc.
Die Webinarreihe habe ich individuell auf das Kundenunternehmen, einen Anbieter für Gebäudereinigung, abgestimmt. Alle Beispiele und Hausaufgaben bezogen sich genau auf das Leistungsangebot der
Firma.
Der Schwerpunkt lag in Abstimmung mit meinem Kunden auf der Telefonakquise und dazu hatten die Verkäufer viele Fragen: Wie komme ich an „Abfangjägern“ im Empfang vorbei? Wie beginne ich ein
Gespräch? Wie komme ich zu „guten“ Terminen? Wie gehe ich mit Einwänden um? Wie motiviere ich mich immer wieder? und so weiter und so weiter…
Die größte Herausforderung war es, die Teilnehmer immer wieder einzubeziehen. Ich habe das auf verschiedene Weise getan:
- Die Teilnehmer konnten vor dem Webinar ihre Wünsche und Fragen einbringen. Da Lernende vor einem Seminar oft noch nicht genau einschätzen können, welche Erwartungen sie haben, gab es noch eine zweite Chance Fragen zu stellen. Das vierte Modul war für die Fragen und Themen reserviert, die im Laufe des Webinars entstanden waren.
- Zwischen den Modulen gab es jeweils Hausaufgaben anhand derer die Teilnehmer das Gelernte in der Praxis umsetzten konnten. Je intensiver die Teilnehmer diese erledigt haben, desto mehr konnten sie vom Webinar profitieren, weil ich mich im jeweils folgenden Webinar auf diese Hausaufgaben bezog. Mein Learning hierbei: Die Führungskräfte müssen konsequent mithelfen, damit die Mitarbeiter die Hausaufgaben (z.B. 10 Akquisetelefonate) auch durchführen können.
- Im Webinar gab es immer wieder kurze Diskussionsphasen und die Teilnehmer konnten jederzeit ihre Fragen anbringen. Durch kurze Umfragen oder Brainstormings wurden ebenfalls alle zwischendurch beteiligt.
Definitiv ist das aber die größte Herausforderung bei einem Webinar: Beteiligung zu schaffen. Schon dadurch, dass die Teilnehmer an ihrem Arbeitsplatz sitzen und direkt im Anschluss an ihren Arbeitstag noch ein Webinar besuchen, ist es für mich als Trainerin und für die Beteiligten schwieriger die Konzentration auf das Thema zu erzeugen. Aber über die oben genannten Ansätze ist mir das ganz gut gelungen.
Eine positive Überaschung ist es, dass auch über die Entfernung und das ungewohnte Medium (Online-Webinarraum plus Telefonkonferenz) eine Nähe zur Gruppe entsteht und ich, wie im Präsenz-Seminar, meine Teilnehmer irgendwann ganz gut einschätzen kann.
Die ersten Feedbacks der Teilnehmer sind inzwischen schon eingetroffen und damit bin ich sehr zufrieden:
„Die Webinarreihe war explizit auf unser Unternehmen ausgerichtet. Durch ihre eigene Praxiserfahrung sind sämtliche Beispiel nach zu vollziehen […] Das letzte Webinar hat mir besonders gut
gefallen. Durch die Abgabe der Hausaufgaben konnten meine Anmerkungen kommentiert werden. Mithilfe der Prioritäte-Matrix war das Webinar noch energischer sowie zielführend. Hat mir sehr gut
gefallen.“
„Frau Brandt-Biesler war sehr offen und hat das Webinar für mich sehr interessant gestaltet.
Sie hat jede Frage und jeden Bereich ausführlich behandelt. Die Power Point Präsentation hat jeden Bereich einzeln abgedeckt, sodass ich immer Zeit hatte, mich in die einzelnen Punkte, ein zudenken.
Die Hausaufgaben fand ich gut, man blieb zwischen den Modulen im Thema. Ich fand das Webinar sehr interessant. Es war für mich, zu diesem Thema, das erste Seminar. Auch die Form des Webinars kannte ich noch nicht. Das Erlernte wird mir auf jeden Fall weiter helfen.“
Wenn Sie das Thema vielleicht auch für Ihr Verkaufsteam interessiert, schauen Sie ich den Webinarraum doch einfach einmal an. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit mir und ich zeige Ihnen gerne, wie ein solches Webinar aussehen kann welche Anpassungen für Sie vorgenommen werden, wie das ganze organisatorisch abläuft und was es kostet.
Fr
23
Jul
2010
Alles beginnt mit einem Witz, der keiner ist:
Eine Familie hat einen stummen Sohn. Die Eltern versuchen alles, damit das Kind doch noch sprechen lernt. Logopäden und Ärzte verzweifeln. Das Kind spricht einfach nicht. Eines Tages, der Junge
ist gerade 17 geworden, sitzt die Familie am Tisch und der Sohn sagt: „Salz fehlt!“ Die Eltern sind aus dem Häuschen: „Du kannst ja sprechen! Warum hast du denn früher nie etwas gesagt?“ Da
antwortet der Sohn lakonisch: „Es hat ja nie etwas gefehlt.“
Ja klar, das ist schon ein Witz aber wie alle guten Witze hat er einen wahren Kern. Menschen lernen nur, wenn sie einen Nutzen davon haben. Als Trainerin habe ich das natürlich schon länger
gespürt aber seit letzter Woche (BDVT-Camp 2010 in Potsdam) habe ich die offizielle Bestätigung. Prof. Dr. Joachim Ludwig von der Uni Potsdam (Erziehungswissenschaftler) erklärte, dass „Lernen
als begründetes soziales Handeln immer eine individuelle Handlungsproblematik“ voraussetzt. Sprich: Es muss irgendein Schuh drücken, damit der Mensch etwas verändert.
Gestützt wurde diese These von Prof. Dr. Ralf Schneider (Uni Bielefeld), der Lernen als „Störung des Systems“ darstellte. Der Kultur-Wissenschaftler, der sich mit Gehirnforschung im Zusammenhang
mit Lernen beschäftigt, erläuterte, dass an unserem Gehirn eigentlich ein „Bitte nicht stören“-Schild hängt. Nur, wenn der Veränderungsdruck groß genug ist, nehmen wir das Schild ab und bringen
unsere schön gefestigten neuronalen Bahnen durch neues Wissen und Fähigkeiten durcheinander. Das ist anstrengend und verursacht Unsicherheit, deshalb tun wir das nur im äußersten Notfall.
Für alle, die Seminare einkaufen bedeutet das: Bitte buchen Sie Trainings, die Ihre Mitarbeiter auch wirklich interessieren, sonst werfen Sie Ihr Geld zum Fenster raus.
Als Trainerin habe ich die Verantwortung diese Lerninteressen der Teilnehmer herauszufinden und Formate zu finden, in denen sie an, für Sie relevanten, Themen arbeiten können. Zum Glück arbeite ich schon seit einigen Jahren so. Aber jetzt habe ich auch eine wissenschaftliche Begründung dafür. Puh, Glück gehabt!
Fr
23
Jul
2010
Lernen und sich Verändern ist nicht immer leicht. Das gut eingeübte Verhaltensrepertoire bietet doch scheinbar viel Sicherheit. Die sogenannte Komfortzone ist einfach zu gemütlich.
Zur Zeit trainiere ich ein Verkaufsteam zum Thema Kaltakquise dessen Mitglieder sehr unterschiedliche Verkaufserfahrungen haben. Einige sollen erst in Zukunft anfangen Neukontakte aufzubauen,
während Andere bereits seit Jahren Telefonakquise machen.
Fachfrage: Wer hat grössere Mühe die Seminarinhalte anzunehmen? Klar, die alten Hasen. Und warum? Weil sie bereits ein Verhaltensrepertoire aufgebaut haben, in dem sie sich
halbwegs sicher fühlen. Dabei spielt es für sie in dem Moment keine Rolle, dass die Vorgehensweisen, die sie sich angewöhnt haben vielleicht nicht immer optimal sind.
Die Akquise-Anfänger dagegen sind ohnehin noch ganz unsicher. Darum sind sie im Moment für jeden Tipp dankbar, der ihnen in näherer Zukunft Sicherheit bringen könnte.
Hilfreich finde ich in diesem Zusammenhang zu verstehen, wie Lernen funktioniert. Am besten kann ich das am Beispiel Autofahren erklären:
1. Stufe: Unbewusste Inkompetenz - Ich kann etwas nicht, weiss das aber nicht:
Als ich ein Kind war, dachte ich: Autofahren kann ja jeder, Mama kann es, Papa kann es. Wenn ich endlich alt genug bin, kann ich auch einfach einsteigen und losfahren.
2. Stufe: Bewusste Inkompetenz – Ich kann etwas nicht und ich weiss das:
Die Erleuchtung kam, als mein damaliger Freund mich erstmals (todesmutig – denn er liebte sein Auto) an das Steuer seines Ford Capri liess. Ich erkannte schlagartig, dass ich überhaupt nicht Auto fahren konnte. Ich konnte die Dimensionen nicht einschätzen, fand nur mit Mühe den Schleifpunkt der Kupplung und schalten ging schon gar nicht. Er erkannte auch in diesem Moment, dass ich es nicht konnte und beendete das Experiment schlagartig!
3. Stufe: Bewusste Kompetenz – Ich kann etwas, muss es aber noch mit Überlegung tun:
Fahrschulen sind eine sinnvolle Erfindung. Relativ schnell lernte ich dort Anfahren, Schalten, mich im Verkehr zu bewegen etc. Aber noch war ich in dem Stadium, wo ich mich auf alles konzentrieren und darüber nachdenken musste. Wo ist der Gang? Achtung Zweiradfahrer-Blick nicht vergessen! Ups, was bedeutet noch gleich dieses Verkehrsschild?
4. Stufe: Unbewusste Kompetenz – Ich kann etwas, merke es aber gar nicht mehr:
Heute kann ich, ohne viel Nachdenken, Autofahren. Auf Anhieb kann ich nicht mal sagen (aus dem Kopf) wo Brems-, Kupplungs- und Gaspedal sind. Aber meine Füsse wissen es immer.
Wenn wir ein neues Verhalten lange genug einüben können wir es irgendwann automatisch. Im Gehirn haben sich stabile Verknüpfungen dafür gebildet, die nie wieder ganz verschwinden. Wichtig ist,
dass wir den Schritt von der 2. zur 3. Stufe bewusst und immer wieder gehen. Und das obwohl die Unsicherheit, die damit verbunden ist, erst einmal unangenehm sein kann.
Fakt ist: Wer was lernen und sich weiterentwickeln will kommt nicht umhin ab und zu mal die kuschelige Komfortzone zu verlassen und sich auf unbekanntes Terrain zu wagen. Doch dafür gibt es eine
Belohnung: die Komfortzone wächst durch neu erlerntes Verhalten. Je mehr wir können, desto flexibler können wir auf unterschiedlichste Situationen reagieren und fühlen uns dabei wohl.
Fr
23
Jul
2010
Immer wieder (so auch vergangene Woche) stellen mir junge Frauen im Verkaufstraining dieselbe Frage: „Wie behaupte ich mich als junge Frau, wenn meine Ansprechpartner vorwiegend ältere Männer sind?“
Eine Teilnehmerin beschrieb die Situation noch genauer: „Oft könnten meine Verhandlungspartner altersmäßig meine Väter sein.“ Ich habe ihr und ihren ebenso jungen Kolleginnen folgenden Rat gegeben, den sie gut fanden:
Akzeptieren Sie den Alters- und Erfahrungsunterschied als gegeben und versuchen Sie auf keinen Fall mit Gewalt auf „Augenhöhe“ zu kommen. Ja, Sie könnten die Tochter sein! Das wissen Sie und das weiß auch Ihr Verhandlungspartner. Beide fühlen sich besser, wenn Sie damit offen und entspannt umgehen. Wichtig ist aber, dass Sie in Ihrem Kompetenzgebiet absolut fit sind. Bereiten Sie sich sehr gut auf Ihre Gespräche vor, damit Sie sicher argumentieren und agieren können. Und entspannen Sie sich vor einem Gespräch – sagen Sie sich immer: „Entweder es passt, oder es passt nicht. Ich gebe mein Bestes aber das ist alles, was ich tun kann.“ (das sage ich mir übrigens auch vor jedem Gespräch mit einem Neukunden).
Ein weiterer Einwand von einer meiner Teilnehmerinnen war noch: „Was ist denn wenn ich so einen älteren Kunden auf einer Veranstaltung treffe? Ich weiß gar nicht worüber ich mit dem reden soll, wir haben doch gar keine gemeinsamen Themen.“ Doch, na klar: reden Sie über den Erfahrungsunterschied. Fragen Sie: „Wie lange sind Sie eigentlich schon in der Branche? Wie hat sich diese aus Ihrer Sicht in den Jahren verändert? Was raten Sie jungen Verkäufern heute?“ Was glauben Sie, wie wohl sich ihr Gesprächspartner fühlt, wenn er so um seine Expertise gebeten wird. Und was meinen Sie, wie viel Sie lernen können. Ich würde bei diesem Gespräch gerne heimlich zuhören.
Und auch einen letzten Einwand konnte ich noch gut aus der Welt räumen: „Was, wenn ich doch mal eine Frage nicht beantworten kann? Mache ich mich nicht sofort unglaubwürdig?“ Nein, nicht zwangsläufig. Wichtig ist, wie Sie damit umgehen. Solange Sie den Anspruch haben, jede Frage beantworten zu müssen, werden Sie in so einer Situation verunsichert wirken. Deshalb ist es wichtig, dass Sie lernen trotzdem selbstbewusst zu antworten: „Das kann ich Ihnen jetzt nicht sagen aber ich kläre das ab. Bis wann brauchen Sie die Antwort?“ Niemand kann jede Frage beantworten. Das ist gar nicht schlimm. Inkompetent wirken Sie nur, wenn Sie sich davon aus der Ruhe bringen lassen.
Meine jungen Teilenehmerinnen waren nach diesem Gespräch, das übrigens beim Seminarabendessen stattfand, ganz erleichtert und froh. Vielleicht kennen Sie auch eine junge Verkäuferin, für die diese Tipps hilfreich sein können.
Fr
23
Jul
2010
In der letzten Woche im Verhandlungstraining habe ich wieder ein paar „Klassiker“ gehört. Dazu ist wichtig zu wissen: Es geht nicht um klassische Verkaufsverhandlungen, bei denen beide Parteien aufstehen und gehen können. Die Verhandlungsparteien müssen sich einigen und manchmal sitzt eine davon am längeren Hebel und kann ein Ergebnis erzwingen.
Raten Sie mal mit: In der letzten Verhandlung musste der Verhandlungspartner klein beigeben. Er wurde bezwungen und musste gegen seinen Willen einlenken. Wie geht es ihm jetzt wohl? Und wie offen ist er in dieser Stimmung für vernünftige Argumente?
Richtig, völlige Fehlanzeige! Der Mann ist persönlich verletzt und sinnt auf Rache. Da hat er keine Zeit über Logik nachzudenken. Hat er nun Lust wieder zu verhandeln? Nööö, gar nicht!
Was ist das Einzige das hilft? Jawoll: Die Beziehung wieder kitten.
Wie geht das? Da gibt es mehrere Möglichkeiten:
- Die Perspektive wechseln: "Ich kann mir vorstellen, dass die Situation für Sie im Moment unangenehm ist..."
- Einen Schritt auf den anderen zugehen
- Farbe bekennen: "Ich habe mich nicht richtig verhalten, tut mir leid."
Manchmal dauert es eine Weile, bis der Verhandlungspartner sich wieder beruhigt hat. Aber erst wenn er sich als Mensch wieder gewürdigt fühlt, kann er ebenfalls einlenken. Dann erst ist Gespräch auf der Sachebene wieder möglich.
Fr
23
Jul
2010
Mein Mann wollte sich ein Mountainbike kaufen:
Er genehmigte sich ein grosszügiges Budget, wälzte das Internet und seine Lieblingszeitung „Mountain Bike“. Dann erhöhte er sein Budget noch einmal und ging los, um sich Fahrräder anzuschauen.
Durch die Vorauswahl gab es bereits einige Favoriten. Dadurch war auch die Auswahl der Händler eingeschränkt, weil nicht jeder Bike-Laden diese Marken führt.
Doch die Vorfreude meines Mannes wurde jäh gebremst, als er das erste Verkaufsgespräch über sich ergehen lassen musste: Der Ladeninhaber hatte offenbar den Wunsch dem nächstbesten Kunden etwas
besonders Teures zu verkaufen. Jedenfalls pries er mit grosser Hartnäckigkeit das teuerste Fahrrad des Ladens an, ohne sich einen Deut darum zu scheren, was mein Mann wollte. Das Ergebnis:
Mein Mann ging wütend und ohne zu kaufen aus dem Laden und erzählte mir und vielen seiner Kollegen von dem unfähigen Händler.
Das nächste Verkaufserlebnis beim nächsten Vertragshändler war keinen Deut besser: Dieser (auch wieder der Ladeninhaber selbst) hatte entweder kein Interesse oder wirklich keine Ahnung. Auf jeden
Fall konnte er die Fragen meines Mannes zur Funktionsweise einzelner Komponenten (z.B. des Federelements) nicht beantworten. Er sagte nur mit müdem Blick: „Da müsste ich mal in die Bücher
schauen.“ Leider blieb es aber bei dieser Ankündigung. Die Fragen konnten nicht geklärt werden. Mein Mann zog wieder unverrichteter Dinge ab.
Der folgende Verkäufer dagegen nutzte seine – denkbar schlechten – Chancen optimal: Noch gab mein Mann nicht auf im Nachbarort Wolhusen sollte es noch einen Vertragshändler geben. Doch der
glänzte gleich ganz durch Abwesenheit: Montags geschlossen. Aus Frust machte mein Mann nun etwas, was er eigentlich nicht geplant hatte: er ging zu Stöckli, einem Schweizer
Mountainbikehersteller. Deren Bikes hatte er eigentlich nie in Betracht gezogen, weil sie zwar sehr gut aber ihm zu teuer waren. Aber schauen wollte er wenigstens Mal. Im Laden wurde sein
Verdacht aber bestätigt: toll aber teuer. Gerade als er wieder gehen wollte, sprach ihn ein Verkäufer an (kann man als Verkäufer schlechtere Voraussetzungen haben?). Und der machte dann einfach
alles richtig: Er stellte zunächst den Preiseinwand meines Mannes nach hinten: „Da finden wir dann sicher eine Lösung.“ Und dann fragte er, was noch niemand gefragt hatte: „Was haben Sie sich
denn vorgestellt?“ (Sooo einfach und doch sooo richtig!)Und auch die weitere Bedarfsabfrage war perfekt: „Was ist Ihnen wichtig?“ „Was wollen Sie mit dem Bike machen?“ „Wo liegt Ihre
Schmerzgrenze?“ Mein Mann gab gerne Auskunft und der Verkäufer fand für ihn ein Vorjahresmodell, das alles Anforderungen erfüllte und auch noch im Preisrahmen blieb.
Stöckli sei Dank läuft mein Mann nun seit 3 Tagen nun mit den glänzenden Augen eines 5-jährigen herum und kann das Wochenende kaum abwarten. Ich befürchte schon das schlimmste: Muskelkater, blaue
Flecken und ein wundes Hinterteil.
Fr
23
Jul
2010
Gute Verkäufer sind Wettkämpfer. Sie wollen gewinnen und das ist auch gut so.
Doch dieser Siegeswillen geht auch manchmal nach hinten los (ich kenne das aus eigener Erfahrung): Wenn Sie sich mit Kunden in einer Wer-hat-Recht-Diskussion verheddern ist der Wunsch zu gewinnen leider total kontraproduktiv. Und das geht häufig ganz schnell: Der Kunde stellt eine falsche Behauptung auf oder bringt einfach nur einen Einwand und schwupp ist es geschehen: „Ja, aber…“ oder „Das kann ich Ihnen erklären…“ oder noch schöner: „Das kann nicht sein…“ sind in dieser Situation die Klassiker.
Doch auch geschulte Verhandler, die diese Fallen geschickt umgehen, lassen sich immer mal wieder auf einen Kampf ein. Das grosse Problem dabei ist, dass Positionen zementiert werden, die vorher durchaus noch offen waren. Jeder versucht dem anderen durch geschickte Argumente zu beweisen, dass er im Recht ist. Dadurch wird es immer schwieriger nach einem gemeinsamen Nenner zu suchen.
Tipp: Sobald Sie merken, dass Sie sich in einer Diskussion verfangen haben, wechseln Sie die Perspektive:
„Sie meinen also, dass…“
„Ihnen ist also wichtig…“
„Verstehe ich Sie richtig, dass Sie…“
Versuchen Sie die Sichtweise des anderen genau zu verstehen. Das öffnet auch Ihren Gesprächspartner wieder für einen gemeinsamen Blickwinkel.
Ich wünsche Ihnen und auch mir (!), dass wir das immer dann hinbekommen, wenn es mal wieder so reizvoll erscheint Recht zu haben ;-).